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 Wie hält man ein gutes Referat?

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OnlineSprechstunde190x75Willkommen zur zweiten Folge der Online- Sprechstunde! In loser Folge gibt hier Professor Gelfert aus langer Berufserfahrung als Studienberater und Literaturwissenschaftler Hinweise und Tipps rund ums Studium.

Wie hält man ein gutes Referat?

Wer ein mündliches Referat vorbereitet, sollte zuerst einmal an alle langatmigen, unverständlichen und schlecht gegliederten Vorträge denken, die er oder sie schon über sich hat ergehen lassen müssen.
Ein mündlicher Vortrag ist etwas grundsätzlich anderes als ein schriflicher Aufsatz. Bei einer schriftlichen Abhandlung kann der Verfasser sein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse ganz in den Vordergrund rücken, da der Leser ja die Möglichkeit hat, uninteressante Details zu überspringen, Kompliziertes noch einmal zu lesen und beim Nachvollziehen des entwickelten Gedankenganges sein eigenes Tempo zu wählen.
Dagegen ist der Zuhörer bei einem mündlichen Vortrag dazu verdammt, diesen in ganzer Länge über sich ergene zu lassen. Deshalb ist das oberste Gebot für den Vortragenden, bei jedem Satz die Wirkung auf den Zuhörer zu bedenken.

Elementare Kunstgriffe

1. Der “Wachmacher”

An englischen Universitäten ist es fast schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Vortrag mit einem Witz beginnen muss. Deutsche Gelehrte fühlen sich dagegen durch ein ebenfalls ungeschriebenes Gesetz dazu verpflichtet, ihren Vortrag mit einem intellektuellen Kraftakt anzufangen. Nicht nur Anglisten sollten sich an den englischen Brauch halten und sich erst einmal der Aufmerksamkeit ihres Publikums vergewissern. Das gelingt am besten durch einen Scherz, eine Anekdote oder durch einen unerwarteten, womöglich ganz unwissenschaftlich erscheinenden Einstieg ins Thema.

Ein Beispiel:

    Thema:

    Das Tragische in Hamlet

    Nicht so beginnen:

    Hegel definiert das Tragische als .......

    sondern so:

    Wenn der Vorhang sich über vier Leichen senkt, pflegt man das Stück als Tragödie zu bezeichnen.

    Oder so:

    “Seien wir ehrlich: Hamlet hat uns [Pause] heute nichts mehr zu sagen.” Dieser lapidare Satz ist das Fazit, das Alfred Kerr 1909 in einer Kritik zieht, nachdem er zuvor die verschiedenen Gründe für Hamlets Zaudern aufgezählt hat. Kerr ist der Ansicht........

2. Appetit auf den Vortrag wecken

Einen Aufsatz liest man, um daraus Erkenntnis zu gewinnen. Da man nach dieser Erkenntnis sucht, wird man sie dem Aufsatz auf dem schnellstmöglichen Weg entnehmen. Bei einem Vortrag weiß der Zuhörer erst beim letzten Satz, ob er den erwarteten Erkenntnisgewinn verbuchen kann. Deshalb sollte der Vortragende erst einmal vorausschicken, welche Art von Erkenntnis er vermitteln will.

3. Klare Gliederung

Einen Aufsatz kann man nach einem elaborierten System in die Punkte 1, 1.1., 1.11, 1.12 usw. gliedern (obwohl dies meist einen pedantischen und buchhalterischen Eindruck hinterlässt). Ein Vortrag muss eine einfache Gliederung haben, die dem Zuhörer bis zum letzten Satz präsent bleibt. Auch wenn in jedem einzelnen Fall eine jeweils besondere Form angemessen ist, sollte denooch die allgemeine Form dem folgenden Schema genügen:

    1. Die Zuhörer für sich einnehmen (durch den “Wachmacher”)

    2. Den Zielpunkt angeben (und so “Appetit” auf den Vortrag wecken)

    3. Kurz die gesicherten Daten zum Thema zusammenfassen (Forschungslage)

    4. Die eigene These vorstellen

    5. Die These in den Kontext des Ganzen einbetten, mögliche Schwachstellen andeuten und auf noch zu klärende Punkte hinweisen. (Zwar sollte die These durch möglichst stichhaltige Argumente gestützt werden, doch sollten bestehende Schwächen nicht verschwiegen werden: Das Publikum honoriert Bescheidenheitsgesten des Vortragenden!)

    6. Mit einem effektvollen Satz schließen. (Schlusspointe)

     

Die Präsentation

Entscheidend für die Wirkung eines Vortrags ist die mündliche Darbietung. Ein vom Blatt abgelesener Aufsatz ist ebenso nervtötend wie konzeptlos improvisiertes Gestottere. Es gehört zum Wesen eines Vortrags, dass der Zuhörer sich angesprochen fühlt und dass er nicht den Eindruck hat, dem Selbstgespräch eines (mehr oder minder) Gelehrten zu lauschen. Deshalb sollte ein Vortrag idealerweise frei gehalten werden. Da dazu aber nur wenige imstande sind, sollten zumindest die folgenden Punkte beachtet werden:

    1. Blickkontakt zu den Zuhörern halten

    2. Das Sprechtempo so drosseln, dass es sich dem der freien Rede annähert

    3. Klar und verständlich artikulieren

    4. Im Zweifelsfall immer das das einfachere Wort dem schwierigen vorziehen

    5. Nach Darlegung eines komplexen Sachverhaltes Gelegenheit zur Entspannung geben (z.B. das Gesagte durch ein anschauliches Beispiel illustrieren oder den feierlichen Ernst der vorgestellten These durch eine Überspitzung derselben relativieren)

    6. Wie ein guter Schauspieler auf einen Beifall ziehenden Schluss hinarbeiten

Kaum ein Literaturstudent wird nach dem Studium je wieder in die Lage kommen, eine schriftliche Abhandlung über ein literaturwissenschaftliches Thema anfertigen zu müssen. Fast jeder Absolvent wird jedoch regelmäßig in Situationen geraten, in denen er vor einem Publikum einen Sachverhalt mündlich darlegen muss. Deshalb ist der mündliche Vortrag eines Referats für alle Studenten, die keine wissenschaftlichen Karrieren anstreben, eine entschieden wichtigere Übung als das Anfertigen einer Hausarbeit.

 

Die sieben Todsünden der Literaturwissenschaft

    1. Pflastertreten: das ohnehin Evidente langatmig beschreiben

    2. Faseln: über Dinge reden, über die man nicht reden kann

    3. Metaphyseln: das dichterisch Konkrete in pseudophilosophische Abstraktionen übersetzen

    4. Wissenschafteln: Platitüden in eine wissenschaftlich anmutende Terminologie kleiden

    5. Oversophistication: die Illusion, dass ein Sachverhalt um so besser erkannt ist, je komplizierter er beschrieben wird

    6. Rechthaberei: die Torheit, an eine einzige richtige Interpretation einer Dichtung zu glauben, wo doch gerade deren Vieldeutigkeit ihren Wert ausmacht

    7. Anästhesie: der Missbrauch einer Dichtung zum Zweck kognitiver Analyse, ohne auf den affektiven Reiz zu achten, der ihr ästhetisches Wesen als Kunstwerk ausmacht.

- Prof. Dr. Hans-Dieter Gelfert

(c) 2002 by Hans-Dieter Gelfert/literatur-wissen.de - Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt; jegliche Vervielfältigung in elektronischer, gedruckter oder anderer Form bedarf vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Betreiber von literatur-wissen.de und den Autor. Das Verlinken dieser Seite wird unter der Auflage gestattet, dass nicht durch Frame- oder andere Techniken der Eindruck erweckt wird, diese Seite sei auf einer anderen als der Literatur-Wissen.de-Domain gespeichert. Die Vervielfältigung als Arbeitsblatt für die Verwendung im Unterricht an Schulen und Hochschulen wird hiermit unter der Auflage gestattet, dass alle Blätter einen deutlichen Quellenvermerk mit der Angaben “Quelle: www.Literatur-Wissen.de - Buchportal für Sprache und Literatur” tragen. Darüber hinaus gelten die Angaben im Impressum für diese Seiten.

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