1. Das Thema genau lesen!
Beispiel: “Welche Wertpositionen werden in Emily Brontes Wuthering Heights durch die beiden Familien repräsentiert?”
a) Was ist der Gegenstand? (Wuthering Heights)
b) Was ist die Fragestellung? (Die Frage nach den Wertpositionen und der Repräsentation durch die beiden Familien)
c) Was ist das zentrale Problem? (Die Frage, was man überhaupt als Wertposition bezeichnen kann, worin sie besteht, woran sie zu erkennen ist und wie sie sich zu anderen Wertpositionen verhält)
2. Sich möglichst umfassend sachkundig machen!
a) Das Werk gründlich lesen
b) Sich aus einer Literaturgeschichte Erstinformation beschaffen
c) Kindlers Literaturlexikon konsultieren (Literaturhinweise!)
d) Sekundärliteratur bibliographisch ermitteln
e) Anhand der jüngsten Veröffentlichungen und eventuell vorhandener Forschungsberichte den aktuellen Forschungsstand herausfinden
f) Das, was relevant erscheint, lesen
3. Eine Gliederung entwerfen!
Muster
a) Das Arbeitsvorhaben kurz beschreiben
b) Angeben, was man nicht zu tun beabsichtigt
c) Die im Thema gestellte Frage auf den Gegenstand beziehen
d) Den Gegenstand unter dieser Fragestellung analysieren
e) Das zentrale Problem bestimmen
f) Die Ergebnisse der Analyse auf das zentrale Problem beziehen
g) Ein Fazit formulieren
4. Allgemeine Tipps
a) Zuerst versuchen, eine eigene Sicht zu entwickeln!
b) Nicht wahllos Sekundärliteratur komplieren, sondern diese in eine selbständige Argumentationslinie einarbeiten!
c) Nur zitieren, was eine fremde Meinung prägnant wiedergibt!
d) Nicht die eigene Argumentation mit Zitaten ausdrücken! (Sich nicht mit fremden Federn schmücken, auch wenn die Quellen angegeben werden!)
e) Jeden entbehrlichen Satz weglassen!
f) Stets die einfachste und klarste Formulierung wählen! (Dunkle Sätze sind nicht immer tief, sondern oft nur trübe!)
Eine Seminararbeit soll sich an den drei Ks orientieren:
KOMPETENZ - KLARHEIT - KÜRZE
Zur äußeren Form:
Jeder Verlag hat eigene Vorschriften hinsichtliche der Gestaltung von Fußnoten, Bibliographien etc. Deshalb kann es auch für Seminararbeiten keine verbindlichen Vorschriften geben. Allerdings muss das gewählte Verfahren konsequent durchgehalten werden. Hier einige grundsätzliche Hinweise:
Das Literaturverzeichnis am Schluss einer Arbeit sollte in der Regel alphabetisch angelegt sein:
Für Monographien: Name, Vorname, (Hrsg.), Titel. Untertitel (Erscheinungsort, Jahr)
Für Aufsätze: Vorname Name, “Titel: Untertitel”, Sammelband oder Zeitschrift Band (Nummer) Jahr, Seitenzahl-Seitenzahl
Bei Arbeiten, die den Forschungsstand zu einer Fragestellung referieren, kann eine chronologische Literaturliste hilfreicher sein. In diesem Fall wird der Vorname vorangestellt.
Bei Fußnoten (die stets sparsam zu verwenden sind!) werden bei der ersten Erwähnung einer Quelle Autor und Titel vollständig angegeben. Bei weiteren Zitaten aus der gleichen Quelle sollte eine Kurzform verwendet werden (z.B. Name plus Titelstichwort, oder Name (Jahr)). Beziehen sich zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Angaben auf dieselbe Quelle, kann für die zweite Quellenangabe die Abkürzung “ibid.” (oder “ebd.”=ebenda) verwendet werden; die Abkürzungen “a.a.O.” (am angegebenen Ort) oder “op.cit.” (opus citatum) machen einen Text schwer nachvollziehbar und sollten generell vermieden werden.
Für Examensarbeiten sollte man eine der vielen Anleitungen zum Verfassen schriftlicher Arbeiten konsultieren, z.B. Standop, Ewald und Matthias Meyer, Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. (Wiesbaden, 2002)
Die Form der schriftlichen Arbeit sollte üblichen Standards entsprechen, sie sollte aber auch nicht überschätzt werden. Neun von zehn Studenten schreiben nur ein einziges Mal in ihrem Leben eine (längere) wissenschaftliche Arbeit, wohingegen insbesondere Absolventen literatur- und sprachwissenschaftlicher Studiengänge in ihren späteren Berufen fast immer genötigt sein werden, Texte zu produzieren, bei denen die wissenschaftliche Form keine Rolle spielt, während die inhaltliche und sprachliche Form eminent wichtig ist. Deshalb sind die vorrangigen Ziele, die sich jeder beim Verfassen einer schriftlichen Arbeit setzen sollte, die “drei Ks”:
K1 Vollständige Durchdringung des Gegenstands (Kompetenz)
K2 Reduktion auf die thematische Fragestellung (Kürze)
K3 stilistisch klare Präsentation (Klarheit)
Ein origineller Gedanke ist mehr wert als seitenlang kompilierte Sekundärliteratur. Überhaupt sollte der Umgang mit Primärliteratur im Vordergrund stehen und die Sekundärliteratur nur jene Hilfsfunktion übernehmen, deretwegen sie geschrieben wird (auch wenn die Gurus der Literaturwissenschaft dem Leser weismachen wollen, dass er Literatur ohne sie nicht verstehen könne.)