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100. Todestag von Anton Tschechow (1860-1904): Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen Neuerscheinungen und Neuübersetzungen vor.
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 Anton Tschechow: In der Sommerfrische, 500 Seiten, Artemis & Winkler 2004, EUR 24,90. (Übersetzt von Vera Bischitzky, Kay Borowsky, Barbara Conrad)
58 Erzählungen des Frühwerks in einer neuen Übersetzung, die, so der Verlag, "den modernen, ironischen Ton, den Tschechow hat, in eine moderne Sprache" überträgt. Über Jahrzehnte hat die erstmals zwischen 1968 und 1971 erschienene Tschechow-Ausgabe in der Winkler Weltliteratur wesentlich zur Verbreitung und Bekanntheit des Autors beigetragen. Die Neuausgabe stellt in sechs Bänden die Erzählungen, kleinen Romane und Dramen des großen russischen Schriftstellers in neuer Übersetzung vor. In Anton Tschechow ist früh der geniale Erzähler erkannt worden, den man seit langem zum unverzichtbaren Bestand der Weltliteratur zählt. Geistreich, kritisch und wortgewandt geht er in seinen Erzählungen gesellschaftlichen Missständen, persönlichen Schrullen und anderen Eigenheiten der ihn umgebenden Welt auf den Grund. Dass er dabei die Liebe zu seinen Figuren bewahrt und zugleich das Allgemeinmenschliche hinter den Besonderheiten nie aus den Augen verliert, ist das Geheimnis seines Erfolgs. Die Neuübersetzung von einem qualifizierten und erfahrenen Übersetzerteam unter Federführung von Gerhard Bauer arbeitet den oft ironischen Unterton, die Leichtigkeit und stets souveräne Distanz in einer flüssig lesbaren und dennoch dem Original präzise folgenden Sprache heraus. Vorgelegt werden in einer klassisch-repräsentativen Auswahl vor allem die vielen bekannten, oft lange schon kanonisierten Erzählungen, deren Lebendigkeit und Frische es neu zu entdecken gilt. Amazon.de-Kurzbeschreibung (c) 2004 Amazon.de |
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Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Russlands. - Reclam, Oktober 2003. 550 Seiten, gebunden. EUR 18,90.
 In neuer, gebundener Ausstattung hat der Reclam-Verlag pünktlich zur Buchmesse eine aktualisierte Auflage der "Kleinen Geschichte Russlands" auf den Markt gebracht. Die Darstellung setzt bei der Warägerzeit und der Kiewer Rus ein; im Mittelpunkt stehen, neben einer chronologischen Vermittlung der historischen Ereignisse, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen und Zusammenhänge des Zarenreichs, der Sowjetunion und des gegenwärtigen Russlands bis in die Putin-Ära.
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 Orlando Figes: Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands, 720 Seiten, geb., Berlin Verlag 2003, EUR 39,80. & Carsten Goehrke: Russischer Alltag. Eine Kulturgeschichte. 421 Seiten (Bd.1), geb., GVA Frieden 2003, EUR 39,80.
Mal ganz ehrlich: Wieviel wissen wir Westeuropäer von der russischen Geschichte? Einige historische Figuren -- berüchtigte zumeist -- dominieren das Russlandbild des Westens, dazu natürlich die Erfahrung des Kommunismus und des Zweiten Weltkrieges in der Sowjetunion des 20. Jahrhunderts. Darüber hinausgehende Bezüge und Zusammenhänge werden, zumal in Deutschland, weder im Schulunterricht noch im Bewusstsein der Öffentlichkeit berücksichtigt, wie die zahlreich verwandten Stereotypen -- vom "Zaren" Putin zum "russischen Bären" -- veranschaulichen.
Zwei jüngst erschienene Werke zur russischen Geschichte versuchen, diesen Mangel zu beheben: Carsten Goehrkes auf drei Bände angelegtes Werk "Russischer Alltag" sowie Orlando Figes' nun auf Deutsch vorliegende Kulturgeschichte Russlands, die unter dem Titel "Nataschas Tanz" firmiert.
Während Figes sich vor allem des Fundus der russischen Belletristik bedient -- der Titel "Nataschas Tanz" ist Tolstois Werk entlehnt --, was Figes Buch (ganz in angelsächsischer Tradition) selbst erzählerische Qualitäten verleiht, widmet sich Goehrke dem Leben der "einfachen Leute" von der Warte der Alltagsgeschichte als empirischer Disziplin. Allerdings hat auch Goehrke keine falsche Scheu davor, auf das Hilfsmittel der historischen Fiktion zurückzugreifen, wenn es die Quellenlage erfordert. Wo Figes mit programmatischen Kapitelüberschriften wie "Auf der Suche nach der russischen Seele" oder "Die Nachfahren des Dschingis Khan" mit der Einbildungskraft des Lesers spielt, geht Goehrke nüchterner und dadurch im Detail anschaulicher vor. Die Alltagsgeschichte lebt eben auch von der Rekonstruktion anschaulicher Alltagsszenen, denn, so Goehrke, "erst aus einer solchen Optik heraus wird deutlich, in welchem Maße sich die 'kollektive Mentalität' der Menschen im Lauf der Geschichte verändert hat und warum sie bis heute vom Überleben unter den Bedingungen eines allmächtigen Staatsapparates gezeichnet ist."
Von Goehrkes Werk liegen bisher zwei Bände vor (471 bzw. 550 Seiten), die für ca. EUR 39,80 erhältlich sind und die die Zeit bis zur prä-stalinistischen Moderne abdecken. Figes' Kulturgeschichte bringt es auf 720 Seiten (ebenfalls EUR 39,80) und ist notwendigerweise summarischer angelegt, zumal sie den Anspruch hat, auch die sowjetische Kultur in ihrer Gesamtheit abzudecken. |
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Iwan Bunin: Erinnerungen eines Zeitgenossen - Friedenauer Presse 2004. 380 Seiten, gebunden (Ln.). - EUR 22,50 - September 2004.
Aus der Verlagsankündigung: "Das Rätsel Cechov, sein Genie und sein
Geheimnis haben Rußlands ersten
Nobelpreisträger, den Dichter Ivan Bunin
(1870-1953) zeitlebens fasziniert. Bunin, seit 1899 mit dem großen Vorbild eng befreundet, war Cechov in Jalta der liebste Gast. [...] Erst nach dem Krieg konnte Bunin in Paris in russischen Buchhandlungen Bände der
maßgeblichen großen Moskauer Cechov-
Ausgabe kaufen. Hier las er Cechovs Briefe noch einmal im Zusammenhang. Er exzerpierte Briefe, charakteristische Zitate,
ergänzte seine Erinnerungen, hielt Stichworte fest, machte Anstreichungen in aller ihm verfügbaren Sekundär- und Memoirenliteratur - und starb über dieser Arbeit 1953. [...] Im Cechov-Jahr -- im Juli 1904 ist der
Schriftsteller in Badenweiler gestorben --
erscheint mit der deutschen Erstübersetzung von Bunins Aufzeichnungen ein Winterbuch, über dessen Lektüre man nachdenklich werden kann." Über dieses Buch: "Bunins Cechov ist, neben der Liebeserklärung, die ihm Nabokov in seinen Vorlesungen zur klassischen russischen Literatur gemacht hat, das wohl Beste und Zuverlässigste, was je über Anton Cechov geschrieben
worden ist." (Peter Urban)
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Auswahl und Zusammenstellung: (c) 2004 Literatur-Wissen.de
Diese Sonderseite: 15. Juli 2004
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